Nachhaltige Websites: Die ernüchternde Bilanz deutscher Business-Websites
Was über 2,9 Mio. Audits über Datenverbrauch, CO₂ und die neue Messlatte verraten
Wie nachhaltig sind Business-Websites in Deutschland wirklich? Kurze Antwort: Fast jede zweite Website fällt durch. Unter der neuen, strengeren Berechnung nach Sustainable Web Design Model v4 landen 45,1 % aller geprüften Websites in der roten Zone. Die Bestnote A+? Bekommen gerade einmal 6,9 %. Und die durchschnittliche Website schleppt beim ersten Aufruf 3,0 MB durchs Netz – über die Hälfte davon Bilder. Dieser Artikel zeigt die Fakten – und warum die Zahlen plötzlich so anders aussehen.

Stand: Mai 2026 – Datenbasis: über 2,9 Mio. Websites, Scope: Business-Websites mit Fokus auf den deutschen Markt. Die Statistiken bilden einen repräsentativen Ausschnitt ab – nicht die Gesamtheit aller Domains.
Häufige Fragen zu Nachhaltige Websites
Wie wird das Transfervolumen gemessen?
Unsere Audits laden die Startseite einer Website in einem realen Browser (Chromium) und messen dabei alle übertragenen Ressourcen – HTML, CSS, JavaScript, Bilder, Schriften und sonstige Dateien. Gemessen wird das komprimierte Transfervolumen, also die tatsächlich übertragene Datenmenge. Wichtig: Unsere Audits erfassen ausschließlich die Phase vor dem Consent-Banner (before_consent) – also den Zustand, in dem die Seite sich direkt nach dem Aufruf und noch vor einer Einwilligung zeigt. Was nach dem Klick auf „Alle akzeptieren“ nachgeladen wird (zusätzliche Tracker, Werbe-Netzwerke, Third-Party-Scripts), fließt derzeit nicht in die Messung ein. Eine Erweiterung, die auch die Post-Consent-Phase erfasst, ist in Arbeit.
Was bedeuten die Ampelfarben bei der CO₂-Bewertung?
Grün steht für einen niedrigen CO₂-Fußabdruck (wenig Daten, gutes Caching, ggf. Green Hosting). Rot bedeutet überdurchschnittlich hohen Datenverbrauch pro Seitenaufruf. Die Bewertung basiert auf dem Sustainable Web Design Model und berücksichtigt Transfervolumen, Caching-Verhalten und Hosting-Infrastruktur.
Warum ist JavaScript problematisch für die Nachhaltigkeit?
JavaScript macht im Durchschnitt fast ein Viertel des Datenvolumens aus. Anders als Bilder muss JavaScript nicht nur geladen, sondern auch vom Browser ausgeführt werden – das kostet zusätzlich Rechenleistung und damit Energie. Ein großer Teil stammt von Tracking-Scripts, Analytics-Tools und Werbung, die für die eigentliche Website-Funktion gar nicht nötig wären.
Was bringt Green Hosting wirklich?
Green Hosting reduziert den CO₂-Ausstoß der Serverinfrastruktur, weil erneuerbare Energien für den Betrieb der Rechenzentren genutzt werden. Es ändert nichts am Datenvolumen selbst, senkt aber die Emissionen pro übertragenem Kilobyte. Am wirkungsvollsten ist die Kombination: weniger Daten plus grüner Strom.
Wie hängen Ladezeit und CO₂ zusammen?
Direkt: Weniger Daten bedeuten kürzere Übertragungszeiten und weniger Energieverbrauch – auf Server, Netzwerk und Endgerät. Gleichzeitig verbessern sich die Core Web Vitals, also Googles Messwerte für Nutzererfahrung. Das kann zu einem besseren Ranking führen. Nachhaltigkeit und Performance sind keine Gegensätze – sie bedingen einander.
Kann ich meine Website kostenlos prüfen lassen?
Ja. Unser kostenloser Website-Audit prüft unter anderem den CO₂-Fußabdruck, das Transfervolumen und die Ressourcenverteilung Ihrer Website. Sie erhalten eine detaillierte Auswertung mit konkreten Handlungsempfehlungen – in 3 Minuten.
Warum haben sich die Bewertungen gegenüber früheren Versionen geändert?
Wir haben die Berechnung auf das Sustainable Web Design Model v4 umgestellt. Die neue Version nutzt realistischere Annahmen zu Server-Effizienz, Netzwerk-Last und Endgerät-Verbrauch und setzt strengere Schwellen für die Ampel-Bewertung. Die Websites sind nicht schlechter geworden – die Messlatte liegt jetzt realistischer. Das Ergebnis: Der Anteil mit guter Bewertung sinkt deutlich, F wird zum häufigsten Rating.
Die wichtigsten Zahlen auf einen Blick
Sechs Kennzahlen, die das Bild sofort klar machen. Fakt ist: Die Probleme sind nicht neu – neu ist, dass sie sichtbar werden.
mit schlechter CO₂-Bewertung (rote Ampel)
Ø Transfervolumen pro Seitenaufruf
mit dem schlechtesten Rating F
des Datenvolumens sind Bilder
mit guter Bewertung – die Minderheit
der Websites übertragen über 10 MB
Drei Schock-Werte, drei Alltags-Werte. Wer jetzt stutzt, weil frühere Studien deutlich freundlichere Zahlen gezeigt haben, hat recht mit dem Bauchgefühl. Die Erklärung liegt nicht in den Websites – sondern in der Messlatte. Auch wir hatten bei einer ersten Berechnung noch nach den älteren, wesentlich sanfteren Regeln gearbeitet und sind zu vollkommen anderen Resultaten gekommen. Somit hatten wir gewissermaßen Greenwashing betrieben, ohne es zu wollen.
Warum aktuelle Zahlen strenger ausfallen
Die CO₂-Bewertung von Websites folgt dem Sustainable Web Design Model – dem Branchenstandard für die CO₂-Schätzung im Web. Anfang 2024 wurde dieses Modell auf Version 4 aktualisiert. Die neue Version arbeitet mit realistischeren Annahmen zu Server-Effizienz, Netzwerk-Last und dem Stromverbrauch der Endgeräte – und setzt gleichzeitig strengere Schwellen für die Ampel-Bewertung. Wir rechnen jetzt nach dieser aktuellen Version. Unsere ersten Berechnungen aber auch einige ältere Veröffentlichungen und Studien tun das nicht.
Das ist wie bei einem Auto-Verbrauchstest. Solange Sie nur auf der Autobahn bei Tempo 100 messen, sehen alle Fahrzeuge sparsam aus. Misst jemand im echten Stadtverkehr mit Ampeln, Kaltstarts und Stau, bricht der schöne Schein zusammen. Genau das ist bei den Website-Messungen passiert: Die Annahmen sind ehrlicher geworden – und damit auch die Ergebnisse.
Drei Dinge sollten Sie wissen:
- Die Websites sind nicht schlechter geworden. Die Bewertung ist strenger geworden.
- Die neue Berechnung bildet die Realität besser ab. Mobile Netze, aktuelle Endgeräte, tatsächlicher Energiemix – alles fließt realistischer ein.
- Vergleichen Sie nie v3-Werte mit v4-Werten. Wer das tut, stellt zwei unterschiedliche Maßstäbe nebeneinander und zieht falsche Schlüsse.
Kurz gesagt: Die Probleme waren immer da. Die aktuelle Berechnung macht sie sichtbar.
Und ein Wort in eigener Sache: Auch unsere aktuellen Zahlen sind noch zu freundlich. Warum? Weil wir zwei Dinge bewusst noch nicht messen. Details dazu am Ende des Artikels im Abschnitt zur Methodik – und ein kleiner Spoiler: Sobald wir diese Lücken schließen, wird es noch einmal ungemütlicher.
Wie nachhaltig sind deutsche Business-Websites?
Unsere Audits bewerten jede Website auf einer Skala von A+ bis F – analog zu Energieeffizienzklassen auf Haushaltsgeräten. In die Basisbewertung fließen zwei Faktoren ein: das Transfervolumen beim ersten Seitenaufruf und das Caching-Verhalten der Website. Der Green-Hosting-Status ist bewusst nicht mehr Teil der Note – wir weisen ihn separat als Hinweis aus. Warum? Weil ein Ökostrom-Server zwar hilft, aber die physikalische Datenlast nicht ersetzt. Wer 20 MB überträgt, tut das auch auf einem grünen Rechenzentrum.
Das Ergebnis nach SWD v4 ist unbequem: Der Durchschnittsscore aller von uns berechneten Audits liegt bei 45,9 von 100 Punkten. Nur 43,6 % der Websites erreichen eine gute Bewertung. Die große Mehrheit liegt darunter. Bei über 2,9 Mio. geprüften Websites sind das keine Einzelfälle – das ist das Grundrauschen in unserer Stichprobe.
Die Verteilung zeigt das ganze Ausmaß:
CO₂-Rating-Verteilung über über 2,9 Mio. geprüfte Websites (Stand: Mai 2026)
Lesen Sie das Chart einmal von rechts nach links. F ist das häufigste Rating – mit 35,3 %. Mehr als ein Drittel aller Websites landet auf der schlechtesten Stufe. A+, früher das Versprechen einer grünen Mehrheit, schafft gerade noch 6,9 %. Bestnote als Ausnahme. Schlechteste Note als Normalfall.
Das Problem dabei: Die meisten Website-Betreiber wissen gar nicht, wie viele Daten ihre Seite überträgt. Es fehlt schlicht die Sichtbarkeit. Was Sie nicht messen, können Sie nicht verbessern. Unsichtbar. Schleichend. Teuer.
Dabei wird das Thema für Unternehmen immer dringlicher. Die EU-Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung (CSRD) verpflichtet große Unternehmen bereits, ihren digitalen Fußabdruck offenzulegen. Und auch für kleinere Betriebe gilt: Wer eine nachhaltige Website betreibt, signalisiert Verantwortung – gegenüber Kunden, Partnern und Suchmaschinen gleichermaßen.
Wohin fließen die Daten?
Wenn jemand Ihre Website aufruft, lädt der Browser verschiedene Ressourcen: HTML, Stylesheets, JavaScript, Bilder, Schriften. Was davon macht eigentlich den Inhalt aus – und was ist Beiwerk? Unsere Auswertung über über 2,9 Mio. Websites zeigt die durchschnittliche Verteilung:
Kurz gesagt: Der eigentliche Inhalt macht gerade einmal 4,2 % aus. Der Rest ist Verpackung. Stellen Sie sich vor, Sie verschicken ein Päckchen mit einer Postkarte drin – und legen aus Höflichkeit noch einen Bildband bei (53,1 % Bilder), eine Bedienungsanleitung für den Briefkasten (23,7 % JavaScript) und drei Schriftmuster, falls dem Empfänger die Handschrift nicht gefällt (12,5 % Schriften). Die Postkarte selbst? Macht gerade einmal 4,2 % des Gewichts aus.
Nachhaltiges Webdesign: Mehr als ein Trend
Der Begriff nachhaltiges Webdesign klang lange nach Nische. Nach den neuen Zahlen klingt er nach Hausaufgabe. Die Frage ist nicht mehr, ob es sich lohnt – sondern wie lange Sie sich das Ignorieren noch leisten können.
Die gute Nachricht: Es geht nicht um Verzicht. Nachhaltige Websites laden schneller, verbrauchen weniger Datenvolumen und bieten eine bessere Nutzererfahrung. Die Prinzipien decken sich fast vollständig mit den Empfehlungen für gute Performance und Barrierefreiheit. Weniger Ballast, mehr Inhalt. Weniger Ablenkung, mehr Fokus.
Konkret bedeutet nachhaltiges Webdesign:
- Schlanker Code – kein überflüssiges JavaScript, keine aufgeblähten CSS-Frameworks. Jede Zeile, die nicht geladen wird, spart Energie auf Server, Netzwerk und Endgerät.
- Optimierte Medien – Bilder im richtigen Format und in der richtigen Größe. Videos nur einbetten, wenn sie echten Mehrwert bieten.
- Effizientes Caching – wiederkehrende Besucher laden nur das Nötigste neu.
- Bewusste Infrastruktur – Green Hosting, sparsame Server-Konfiguration, und vor allem: keine CDNs, wenn Ihre Kunden alle in Deutschland sitzen. Siehe den eigenen Abschnitt zu Green Hosting und CDNs weiter unten.
Viele dieser Maßnahmen kosten nichts extra. Sie erfordern nur ein Bewusstsein dafür, dass jede Designentscheidung im Internet auch eine Entscheidung über Ressourcenverbrauch ist. Ein Hintergrundbild in 4K? Ein Autoplay-Video im Header? Drei verschiedene Schriftarten in acht Schnitten? Alles technisch möglich. Aber nicht alles nötig.
Und jetzt der Nebeneffekt: Nachhaltigere Websites sind fast immer auch schnellere Websites. Schnellere Websites konvertieren besser, ranken besser und werden häufiger empfohlen. Nachhaltiges Webdesign ist kein Verzicht. Es ist ein Wettbewerbsvorteil.
Beispiel aus der Praxis: Eine typische Unternehmenswebsite mit unkomprimierten Bildern, drei Webfonts in jeweils vier Schnitten und Google Analytics plus Tag Manager überträgt beim ersten Aufruf rund 8–12 MB. Nach Bildoptimierung (WebP, responsive), Font-Reduktion auf zwei Schnitte und einem Wechsel zu einer leichtgewichtigen Analytics-Lösung: 1,5–2,5 MB. Eine Reduzierung um 70–80 % – bei identischem Design und identischer Funktionalität. Nachhaltiges Webdesign ist einfach: Weniger übertragen, gleich viel zeigen.
Bilder: Das größte Einsparpotenzial
Mehr als die Hälfte des gesamten Datenvolumens einer durchschnittlichen Website sind Bilder. Das allein ist bemerkenswert. Die Ausreißer sind es erst recht.
Bei 4,6 % aller geprüften Websites werden über 10 MB übertragen – auf einer einzigen Seite. Das ist mehr als ein durchschnittlicher Song auf Spotify. Unser Spitzenreiter: eine Website, die beim Aufruf der Startseite fast 98 MB an Bildern lädt. Das entspricht rund einer Stunde Musik in hoher Qualität. Für ein paar Fotos. Und das bei jedem einzelnen Seitenaufruf. Selbst bei nur 100 Besuchern pro Tag überträgt diese eine Seite fast 10 GB – das entspricht ungefähr dem CO₂-Ausstoß von drei Stunden Netflix-Streaming in HD. Jeden Tag.
Was bedeutet das für Ihre Website? Drei Maßnahmen, die sofort helfen:
- Modernes Bildformat nutzen – WebP oder AVIF statt JPEG/PNG. Ersparnis: oft 50–80 %.
- Lazy Loading aktivieren – Bilder erst laden, wenn sie in den sichtbaren Bereich scrollen.
- Responsive Größen bereitstellen – Ein 4000 × 3000-Foto auf einem Smartphone? Reine Verschwendung.
Ein oft übersehener Punkt: Videos. Eingebettete Videos von YouTube oder Vimeo laden häufig mehrere Megabyte an JavaScript und Vorschaubildern – noch bevor jemand auf Play klickt. Einfacher Trick: Ersetzen Sie den Embed durch ein statisches Vorschaubild mit Play-Button und laden Sie den Player erst bei Klick. Das spart auf manchen Seiten mehr Daten als die gesamte Bildoptimierung zusammen.
Mehr zum Thema finden Sie in unserem Ratgeber zu Core Web Vitals.
JavaScript: Der unsichtbare Datenverbraucher
Fast ein Viertel des gesamten Datenvolumens ist JavaScript. Aber woher kommt das eigentlich?
Ein Blick in unsere Daten zeigt: Auf jeder zweiten geprüften Website läuft noch jQuery – eine JavaScript-Bibliothek aus dem Jahr 2006. Jede vierte Website lädt Bootstrap. Beide waren einmal unverzichtbar, heute erledigen moderne Browser vieles davon nativ. Trotzdem schleppen Tausende Websites diese Altlasten mit. Oft ohne dass es jemand merkt. Unsichtbar im Quellcode, sichtbar im Datenvolumen.
Dazu kommt der Trend zu sogenannten Single-Page-Applikationen (SPAs) – Websites, die mit Frameworks wie Next.js, Angular oder Vue.js gebaut werden und die gesamte Darstellungslogik in den Browser verlagern. Diese Seiten übertragen typischerweise deutlich mehr JavaScript als klassische Websites. Allein über 1.100 Next.js-Installationen erkennen unsere Audits – Tendenz steigend.
Der größte Posten ist jedoch keines dieser Frameworks, sondern Tracking, Analytics, Werbung und Cookie-Banner. Das ist doppelt problematisch: JavaScript muss nicht nur geladen, sondern vom Browser auch ausgeführt werden – das kostet zusätzlich Rechenleistung und damit Energie. Gleichzeitig steht ein erheblicher Teil dieser Scripts im Spannungsfeld mit dem Datenschutz. Doppelt ärgerlich.
Die gute Nachricht: Wer auf datenschutzfreundliche Alternativen setzt – etwa serverseitiges Tracking oder leichtgewichtige Analytics wie Plausible oder Fathom – reduziert gleichzeitig Datenvolumen und Compliance-Risiko. Nachhaltigkeit und Datenschutz ziehen hier am selben Strang. Wer seine Website systematisch auf Datenschutz prüfen lässt, deckt viele dieser Überschneidungen in einem Rutsch auf.
Wenn eine Website schwerer ist als ein Film
Bei manchen Websites fragen Sie sich: Hat der Browser gerade ein Paket heruntergeladen – oder eine Seite geöffnet?
Unser Audit bricht ab, wenn allein das HTML-Dokument über 15 MB groß ist. Aber schon lange vorher wird es kritisch: Google speichert zwar bis zu 15 MB einer Seite, wertet für Ranking und Indexierung aber nur die ersten 2 MB aus. Alles danach – vom dritten bis zum fünfzehnten Megabyte – wird schlicht ignoriert. Wer also wichtige Inhalte, interne Links oder strukturierte Daten weiter unten einer aufgeblähten Seite platziert, verschenkt SEO-Potenzial. Mehr dazu in unserem SEO-Ratgeber. In unserer Datenbank gibt es 304 solcher Fälle, mit einem Spitzenreiter von über 150 MB – vermutlich HTML mit eingebettetem CSS und möglicherweise auch Base64-kodierten Bildern. Egal was genau drin steckt: Das ist das Gegenteil von nachhaltig.
Und dann sind da die Bilder. Bei einer einzigen Website laden über 97 MB Bilddaten bei einem Seitenaufruf. Das Gewicht eines kompletten Fotoalbums in Druckqualität. Auf einer Unterseite. Einer.
Das sind Extremfälle. Aber sie zeigen, wie schnell es aus dem Ruder läuft, wenn niemand hinschaut. Und selbst bei weniger dramatischen Websites addiert sich unnötiges Datenvolumen über Tausende Seitenaufrufe zu einem spürbaren Verbrauch. Viel Kleinvieh macht viel Mist.
Nachhaltigkeit und Google-Ranking: Kein Widerspruch
Google-Ranking und Umweltschutz – passt das zusammen? Tatsächlich ja. Weniger Daten heißt schnellere Ladezeit. Schnellere Ladezeit heißt bessere Core Web Vitals. Und bessere Core Web Vitals sind seit 2021 ein offizieller Google-Rankingfaktor. Das ist kein Zufall – das ist ein Hebel.
Das bedeutet: Jedes Kilobyte, das Sie einsparen, verbessert nicht nur Ihren CO₂-Fußabdruck, sondern auch Ihre Sichtbarkeit in Suchmaschinen. Es gibt wenige Optimierungen, die gleichzeitig der Umwelt, der Nutzererfahrung und dem Geschäftsergebnis helfen. Eine nachhaltige Website zu betreiben ist eine davon.
Konkret beeinflusst das Datenvolumen drei der vier Core Web Vitals – also die Messwerte, mit denen Google die Nutzererfahrung einer Website bewertet:
- Largest Contentful Paint (LCP) – Wann ist das größte sichtbare Element geladen? Große Bilder verzögern den LCP direkt.
- First Contentful Paint (FCP) – Wann sieht der Nutzer zum ersten Mal Inhalt? Aufgeblähtes CSS und JavaScript blockieren den FCP.
- Cumulative Layout Shift (CLS) – Springt die Seite während des Ladens? Bilder ohne definierte Abmessungen verursachen Layout-Verschiebungen.
Konkret: Eine Website, die ihr Transfervolumen von 8 MB auf 2 MB reduziert, verbessert den LCP-Wert oft um 1–3 Sekunden. Für Google ist das der Unterschied zwischen „gut“ und „verbesserungswürdig“. Und für Ihre Besucher der Unterschied zwischen Bleiben und Abspringen.
Ausführlich erklärt: Unser Ratgeber zu Core Web Vitals.
Green Hosting: Infrastruktur zählt
Warum spielt der Hoster überhaupt eine Rolle? Weil der Strom, der den Server antreibt, am Ende in der Atmosphäre landet. Nicht nur die Größe einer Website bestimmt ihren CO₂-Fußabdruck, sondern auch die Infrastruktur dahinter. Ein Server, der mit Ökostrom läuft, verursacht bei gleichem Datenvolumen deutlich weniger Emissionen. Klingt banal. Ist es nicht.
Rund ein Drittel der von uns geprüften Websites nutzt Green Hosting – also Rechenzentren, die nachweislich mit erneuerbaren Energien betrieben werden. Die Zuordnung passiert über die Green Web Foundation-Datenbank, die weltweit Hoster und deren Strom-Quellen verifiziert.
Zwei identische Websites mit gleichem Datenvolumen können sich im CO₂-Fußabdruck um den Faktor 3 bis 5 unterscheiden – allein durch die Wahl des Hosters. Wer wechseln oder optimieren möchte, kann auf der Green Web Foundation prüfen, ob der aktuelle Hoster bereits zertifiziert ist.
Green Hosting allein macht noch keine nachhaltige Website. Aber es ist ein wichtiger Baustein – vor allem in Kombination mit weniger Datenvolumen. Wie die CO₂-Bewertung genau berechnet wird und welche Maßnahmen den größten Hebel haben, erklärt unser Ratgeber zum digitalen CO₂-Fußabdruck.
CDNs: Der unsichtbare Nachhaltigkeits-Fallstrick
Hier kommt eine Aussage, die viele überraschen wird: Für die meisten deutschen Business-Websites sind Content-Delivery-Networks (CDNs) ein Nachhaltigkeits-Problem – kein Vorteil. Ja, Sie haben richtig gelesen. CDNs werden seit Jahren als Performance-Booster und „Schutzschild gegen DDoS" beworben. Die technischen Vorteile stimmen auch – für bestimmte Fälle. Aber der CO₂-Aspekt wird dabei konsequent ausgeblendet.
Was macht ein CDN? Es dupliziert Ihre statischen Inhalte (Bilder, Scripts, Stylesheets) auf viele Server rund um den Globus – sogenannte Edge-Knoten. Wenn ein Besucher aus Tokio Ihre Seite aufruft, bekommt er die Daten vom nächsten Edge-Knoten, nicht vom Mutter-Server in Frankfurt. Kürzere Wege, schnellere Ladezeit. So weit die Theorie.
Und in der Praxis? Wenn Ihre Website ein Autohaus in Münster ist, eine Steuerberatung in Leipzig oder eine Handwerkskammer in Stuttgart, dann sitzen praktisch alle Ihre Besucher in Deutschland. Ein Hosting in Frankfurt oder Nürnberg reicht aus, um jeden Punkt in Deutschland in unter 20 Millisekunden zu erreichen. Ein CDN bringt hier keinen spürbaren Geschwindigkeitsvorteil – verursacht aber zusätzlichen Daten- und Energieaufwand:
- Cache-Invalidierung und Replikation: Bei jedem Content-Update müssen die Kopien auf allen Edge-Knoten aktualisiert werden. Das ist ständiger Netzwerk-Traffic, der bei einem einfachen Hosting komplett entfällt.
- Ungenutzte Infrastruktur: Ihre Inhalte liegen auf Servern in Singapur, Sydney, São Paulo – obwohl dort niemand Ihre Website aufruft. Die Betriebsenergie läuft trotzdem mit.
- Aufgeblähte Tracker-Last: Viele CDN-Anbieter integrieren automatisch JavaScript-Bibliotheken, Analytics-Pixel oder Bot-Management-Scripts. Aus einer schlanken Website wird eine schwere.
Dr. Torsten Beyer, bekannt als „CO2-Doc" und Autor des Fachbuchs Nachhaltige Websites (Springer/Gabler, 2023), vertritt eine konsequente Position zur digitalen Suffizienz: weniger Daten, weniger Scripts, weniger Infrastruktur. Er war es, der uns auf diese Fährte gebracht hat – und er warnt seit Jahren davor, Performance- und Sicherheits-Features unreflektiert als nachhaltig zu verkaufen. Mehr zu seinen Arbeiten finden Sie auf dr-beyer.de und in seinem Buch.
Wann ist ein CDN trotzdem sinnvoll? In drei Fällen:
- Echte internationale Reichweite. Wenn Ihre Besucher tatsächlich weltweit verteilt sind – E-Commerce mit globaler Versendung, internationale News-Plattformen, SaaS-Anbieter – dann spart das CDN mehr, als es kostet.
- Massive Traffic-Spitzen. Virale Inhalte, saisonale Lastspitzen, Ticket-Verkäufe. Wenn Ihr Server ohne CDN zusammenbricht, ist das Datenvolumen das kleinere Übel.
- Konkrete DDoS-Bedrohungslage. Wenn Sie regelmäßig attackiert werden, schützt Sie ein CDN mit Scrubbing-Kapazitäten. Aber regelmäßig ist hier der Schlüssel – nicht die theoretische Möglichkeit.
Für alle anderen Websites gilt: Ein gutes deutsches Hosting mit HTTP/2, Brotli-Komprimierung und sauberem Browser-Caching erreicht dieselben Ladezeiten – ohne die CO₂-Last eines global verteilten Duplikat-Systems. Weniger ist auch hier mehr.
Was Sie tun können
Wenn fast die Hälfte aller Websites rot abschneidet, wird eine Frage dringend: Wo fangen Sie an? Die Optimierung muss nicht kompliziert sein. Hier die fünf Tipps mit dem größten Hebel – jeder einzelne hat einen messbaren Effekt auf Nachhaltigkeit und Performance:
- Bilder optimieren – WebP oder AVIF statt JPEG/PNG, Lazy Loading, responsive Größen. Das allein reduziert das Volumen oft um 40–60 %.
- JavaScript ausmisten – Brauchen Sie wirklich drei Analytics-Tools, fünf Tracking-Pixel und ein Chat-Widget? Jedes eingesparte Script zählt.
- Caching aktivieren – Wiederkehrende Besucher sollten nicht alles neu laden müssen. Richtig gesetzte Cache-Header im Browser senken das Volumen dramatisch – ganz ohne CDN.
- Schriften reduzieren – Nur die Schnitte laden, die wirklich gebraucht werden. Oder System-Fonts nutzen – die kommen ganz ohne Download aus.
- Green Hosting wählen – Beim nächsten Hosterwechsel auf zertifizierte Anbieter achten. Einfacher Schritt, große Wirkung.
Fünf Schritte. Kein Budget nötig. Sofort wirksam.
Checkliste: Ist Ihre Website nachhaltig?
Zehn Fragen. Fünf Minuten. Ehrliche Antwort. Je häufiger Sie mit Ja antworten, desto nachhaltiger ist Ihre Website bereits. Je häufiger mit Nein – desto größer Ihr Hebel.
- Bilder im modernen Format? – Nutzt Ihre Website WebP oder AVIF statt JPEG und PNG?
- Lazy Loading aktiv? – Werden Bilder und Videos erst geladen, wenn sie sichtbar werden?
- Responsive Bildgrößen? – Erhalten Smartphones kleinere Bilder als Desktop-Monitore?
- JavaScript aufgeräumt? – Wissen Sie, welche Scripts geladen werden und wofür?
- Keine ungenutzten Bibliotheken? – Läuft noch jQuery, obwohl es niemand mehr braucht?
- Browser-Caching konfiguriert? – Werden statische Ressourcen beim zweiten Besuch aus dem Cache geladen?
- Schriften begrenzt? – Maximal zwei Schriftfamilien, nur die genutzten Schnitte?
- Videos effizient eingebettet? – Vorschaubild statt sofortigem Embed?
- Green Hosting? – Läuft Ihr Server mit Ökostrom? Prüfen Sie es auf der Green Web Foundation.
- Regelmäßige Audits? – Prüfen Sie den CO₂-Fußabdruck Ihrer Website mindestens einmal im Quartal?
Wenn Sie bei mehr als drei Punkten unsicher sind, lohnt sich ein genauerer Blick. Die meisten Optimierungen sind in wenigen Stunden umsetzbar – oft ohne externe Hilfe.
Sie möchten wissen, wie Ihre Website abschneidet? Unser kostenloser Audit prüft den CO₂-Fußabdruck, das Transfervolumen und die Ressourcenverteilung – in 3 Minuten. Messbar. Nachvollziehbar. Kostenlos. Natürlich ohne Registrierungspflicht.
Methodik und Datengrundlage
Fakt ist: Die Zahlen basieren auf echten Messungen, nicht auf Schätzungen. Die Statistiken in diesem Artikel stammen aus automatisierten Audits von über 2,9 Mio. Business-Websites mit Fokus auf den deutschen Markt. Die Audits erfassen das tatsächliche Transfervolumen beim ersten Seitenaufruf – inklusive aller Ressourcen: HTML, CSS, JavaScript, Bilder, Schriften und sonstige Dateien. Geprüft wird jeweils die Startseite der Domain.
Die CO₂-Bewertung basiert auf dem Sustainable Web Design Model in der aktuellen Version 4. Wichtig für den Vergleich mit älteren Veröffentlichungen: Die Berechnung wurde Anfang 2024 grundlegend aktualisiert. SWD v4 nutzt realistischere Annahmen zu Server-Effizienz, Netzwerk-Last und Endgerät-Verbrauch und setzt strengere Schwellen für die Ampel-Bewertung. Die Werte fallen deshalb deutlich niedriger aus als unter v3 – nicht weil die Websites schlechter geworden sind, sondern weil die Messung realistischer ist. In die Bewertung fließen Transfervolumen, Green-Hosting-Status und Caching-Verhalten ein. Die Daten werden laufend aktualisiert – aktueller Stand: Mai 2026.
Die Daten bilden einen repräsentativen Ausschnitt des deutschsprachigen Internets ab, nicht die Gesamtheit aller Domains. Die Stichprobe umfasst Unternehmenswebsites, Online-Shops, Blogs, Behörden und Vereine – also die Bandbreite, die den deutschen Business-Markt im Web ausmacht.
Wichtige Einschränkungen – und warum die Zahlen zu freundlich sind
Ehrlich gesagt: Unsere Zahlen malen noch ein zu mildes Bild. Zwei Lücken, die wir offen kommunizieren möchten:
- Wir messen nur bis zum Cookie-Banner. Jede Website wird in der sogenannten Before-Consent-Phase geprüft – also in dem Zustand, in dem sie sich direkt nach dem Aufruf und vor einer Einwilligung zeigt. Was nach dem Klick auf „Alle akzeptieren" nachgeladen wird – zusätzliche Tracker, Werbe-Netzwerke, Third-Party-Scripts – fließt nicht in die aktuelle Bewertung ein. Bei vielen Websites kommt nach dem Consent der eigentliche Daten-Nachschlag.
- Wir erfassen Videos und Audio-Streams nicht. Eingebettete Videos von YouTube, Vimeo oder Selbsthoster – besonders solche mit Autoplay – bleiben außen vor, sobald der Player erst beim Abspielen Daten lädt. Das ist technisch nachvollziehbar (die Audits laufen nur wenige Sekunden), aber inhaltlich eine echte Lücke. Videos sind mit Abstand der größte Datenverbraucher im Web – und Autoplay-Videos im Header sind zugleich einer der härtesten Performance-Killer. Das drückt nicht nur den CO₂-Wert, sondern auch die Core Web Vitals und damit das Google-Ranking.
Wir arbeiten an einer Erweiterung unserer Audit-Pipeline, die genau diese beiden Lücken schließt: Messung über die gesamte Lade-Sequenz inklusive Post-Consent-Phase und Erfassung initial geladener Videos und Audios. Unsere Erwartung: Sobald diese Werte einfließen, werden die hier gezeigten Zahlen noch einmal deutlich ungemütlicher. Wir veröffentlichen die neuen Ergebnisse, sobald die Messung stabil läuft.
Die aktuellen Zahlen sind also nicht das Ende der Geschichte. Sie sind die Untergrenze.
Weiterführende Artikel
* Aufgrund einer notwendigen Änderung in den Bewertungen verschiedener Services und der Korrektur von Bewertungen für die Effizienz von Consent-Bannern haben sich unsere Ratings korrigiert.